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Borken als Militärstandort – Teil 3
Diese Artikel sind Teil einer großen Blogreihe der Jusos im Kreis Borken, geschrieben von Marvin Buchecker. Wir wollen uns in dieser Reihe kritisch mit der Bundeswehr auseinandersetzen und sie genauer unter die Lupe nehmen. Dies ist Teil 3 dieser Reihe.
Zur Einordnung: Borken als Militärstandort
Ich greife nochmal meine Aussage zu Anfang auf, dass es nicht sachfremd ist, wenn wir Kreis Jusos Borken uns mit dieser Thematik beschäftigen. Denn, dass wir uns im Kreis Borken mit der Bundeswehr und dem Thema Militär befassen, ist nicht nur biografisch, sondern auch historisch begründet. Militär war über Jahrhunderte hinweg Teil des gesellschaftlichen Lebens in unserer Region.
Historische Wurzeln
Bereits seit 1623 war Borken – mit Unterbrechungen – Garnisonsstadt für kleinere militärische Einheiten. Zwischen 1837 und 1873 diente die Stadt als Sammelpunkt des II. Bataillons des 1. Westfälischen Landwehrregiments Nr. 13, das hier auch sein Zeughaus unterhielt. Militärische Präsenz war damit lange vor dem 20. Jahrhundert Teil des städtischen Alltags.
Die Bundeswehr in Borken
Mit der Gründung der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition fortgesetzt. Auf Initiative des damaligen Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Borken-Bocholt-Ahaus und späteren ersten Verteidigungsministers der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Blank, begann im Januar 1956 der Bau einer neuen Kaserne auf dem Höhenzug Die Berge zwischen Dülmener Weg und Landwehr. Geplant war eine Belegung mit rund eintausend Soldaten.

Foto: Michael Wolter via Facebook
Nordöstlich der Kaserne schloss sich ein Standortübungsplatz mit dem sogenannten „Pläne“-Segelflugplatz an, der an Wochenenden auch zivil genutzt wurde. Ergänzt wurde der Standort durch eine Schießanlage und ein Munitionslager, das nicht nur von der Bundeswehr, sondern auch von alliierten Truppenteilen und der Polizei genutzt wurde.
Ab 1957 war die Truppenunterkunft Borken mit mehreren Fernmelde-, Ausbildungs- und Unterstützungseinheiten belegt, zeitweise mit bis zu 1.400 Soldaten. 1967 erhielt der Standort den Namen Hendrik-de-Wynen-Kaserne. Militärische Appelle auf dem Marktplatz, Soldaten im Stadtbild sowie zivile Einrichtungen mit militärischem Bezug – etwa die evangelische Martin-Luther-Kirche als Standortkirche – prägten über Jahrzehnte das öffentliche Leben.
Strukturwandel und Gegenwart
Nach mehreren Umstrukturierungen, insbesondere im Zuge der Reduzierung der Bundeswehr nach der deutschen Wiedervereinigung, wurde der Standort schrittweise verkleinert. Im März 2007 wurde die Kaserne endgültig geräumt und an die Stadt Borken übergeben. Heute befindet sich dort der Gewerbepark Hendrik-de-Wynen.
Diese Geschichte zeigt: Militär ist im Kreis Borken kein abstraktes Thema. Es war über Generationen hinweg Teil des Alltags, der Infrastruktur und der regionalen Identität. Wer hier über Wehrdienst, Bundeswehr und Verteidigung diskutiert, tut das nicht losgelöst von Geschichte – sondern mitten aus ihr heraus.
Fazit
Dieser Text liefert keine fertige Position. Ganz bewusst nicht. Er ist ein Anfang. Ein Eingeständnis, dass ich – und vielleicht wir alle – viel zu lange zu wenig darüber nachgedacht haben, was Wehrdienst, Verteidigung und Verantwortung heute eigentlich bedeuten.
Deshalb wird diese Debatte eine Reihe. Ein einzelner Beitrag wird ihr nicht gerecht. Positionen entwickeln sich, genauso wie Biografien. Unsere Welt ist heute eine andere als Anfang der 2000er, eine andere als 2007, eine andere als 2011.
Politik bedeutet nicht, einmal eine Haltung festzulegen und sie für immer zu verteidigen. Politik bedeutet, Fragen neu zu stellen, wenn sich die Welt verändert.
Zwanzig Jahre nach meinen ersten bewussten Begegnungen mit der Bundeswehr stehe ich heute an dem Punkt, diesen Text zu schreiben. Und das ist vielleicht genau der richtige Anfang für diese Debatte.
Einladung zum Austausch
Was denken Sie über den Beitrag? Haben Sie Erfahrungen mit unserer Kaserne in Borken? Andere Gedanken? Gerne können Sie mich über unsere Juso-Mailadresse mit ihrer Meinung kontaktieren – ich freue mich auf den Austausch!
Autorenvita
Marvin Buchecker (Jahrgang 1993) ist ein Arbeiterkind und stolzer Hauptschüler der Overberg-Hauptschule Reken. Über einige Umwege und Extrarunden lebt der heute studierte Politikwissenschaftler im wunderschönen Weseke.
Seit rund zehn Jahren ist er hauptberuflich in der Jugendhilfe bei einem freien Träger im Kreis Borken tätig. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Demokratie sowie politische Beteiligung auf kommunaler Ebene.
Mitglied der SPD ist er seit 2017. Für seine Partei leidet und freut er sich gleichermaßen – ähnlich wie für seinen geliebten FC Schalke 04. Politisch ist in seinem Freundeskreis alles vertreten, was er sehr zu schätzen weiß!
Die eigene Partei kritisch zu begleiten und immer wieder auf ihre sozialdemokratischen Wurzeln zu beziehen, versteht er als eine der zentralen Aufgaben politischer Arbeit – auch wenn das nicht immer von Erfolg gekrönt ist.
Autor*in
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