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Feministische Stadtplanung: Eine inklusive Vision für alle!
Anders als es die Bezeichnung vielleicht vermuten lässt, bezieht sich die feministische Stadtplanung nicht „nur“ auf eine Stadtplanung, die speziell auf die Bedürfnisse von FINTA* ausgerichtet ist. Die Bezeichnung „feministische Stadtplanung“ führt oft zu dem Missverständnis, dass Männer im Umkehrschluss denken, dass es nichts für sie ist oder auf sie abgestimmt ist. Dies ist keineswegs der Fall. Feministische Stadtplanung hat den Anspruch, andere Perspektiven einzunehmen, um eine inklusive und gerechte Stadtplanung zu ermöglichen. Dies beinhaltet im Besonderen die Beleuchtung von Wegen, der Aufbau kurzer Wegesnetze zur Erleichterung der Mobilität und die Etablierung von „grünen Räumen“, also Flächen für Pflanzen schaffen.
Warum feministische Stadtplanung alle betrifft
Feministische Stadtplanung soll nicht so verstanden werden, dass sie die männliche Perspektive eingrenzt, sondern dass sie zusätzliche Perspektiven erweitert, wie z. B. die Perspektive von Menschen mit Behinderung, queeren Menschen, Eltern mit Kindern oder Bewohner*innen der Stadt. Seit jeher setzen wir uns als Jusos dafür ein, dass Städte nicht nur funktional, sondern auch sozial gerecht gestaltet werden. Denn eine Stadt, die nur für eine bestimmte Gruppe geplant wird, kann nie wirklich lebenswert sein.
Die heutigen Städte wurden größtenteils von Männern geplant, entworfen und aufgebaut, sodass Städte oft vorwiegend dem männlichen Interesse entsprechen. Dieser einseitige Blickwinkel führt dazu, dass Städte so aufgebaut sind, dass sie nicht den Interessen und Bedürfnissen aller Bewohner*innen gerecht werden, da diese von den männlichen Städteplanern gar nicht wahrgenommen wurden.
Partizipation als Schlüssel zur gerechten Stadt
Städtische Räume müssen so gestaltet sein, dass sie die Sicherheit und die Inklusion der Bewohner*innen fördern. Dies beinhaltet, wie oben erwähnt, die Beseitigung von Angsträumen durch gute Beleuchtung, übersichtliche Wege und sichere öffentliche Verkehrsmittel. Vorhandene Barrieren – ob physisch oder sozial – sollen beseitigt werden. Feministische Stadtplanung ist als partizipativer Planungsprozess zu verstehen. Es beinhaltet die Aufforderung zur aktiven Beteiligung aller an der Gestaltung ihrer Stadt, um diese nach ihren Interessen und Bedürfnissen zu gestalten. Besonders in den letzten Jahren haben wir uns als Jusos dafür stark gemacht, dass partizipative Formate wie Bürger*innenräte oder offene Werkstätten fest in der Stadtplanung verankert werden. Denn nur so können Städte entstehen, die wirklich für alle funktionieren.

Die Radweg-Offensive der Stadt Wien steht im Zusammenhang mit feministischer Stadtplanung, weil sichere und gut ausgebaute Radinfrastruktur insbesondere FINTA* zugutekommt, die im Alltag häufiger komplexe Wegeketten (z. B. Arbeit, Einkauf, Care-Arbeit) zurücklegen. Sie fördert damit eine gerechtere, sichere und inklusivere Mobilität für unterschiedliche Nutzer*innen der Stadt.
Grafik: ZOOMVP.AT/Mobilitätsagentur Wien
Ziel ist, dass Städte geschaffen werden, die jede*n gerecht werden und funktionieren. Dabei geht der Ansatz über die traditionelle Planung hinaus, die oft nur die Bedürfnisse von Männern* in den Vordergrund stellt. Diese dadurch entstandene Ungleichheit soll durch die feministische Stadtplanung beseitigt werden, indem eine Neugestaltung der Städte gefordert wird, in der alle gesellschaftlichen Gruppen berücksichtigt werden.
Feministische Stadtplanung als Motor für soziale Gerechtigkeit
In den letzten Jahren haben wir uns besonders für die Umsetzung von Konzepten wie „Care-Infrastrukturen“ eingesetzt. Dazu gehören z. B. gut erreichbare Kitas, Pflegeeinrichtungen oder Begegnungsorte, die den Alltag von Sorgearbeit erleichtern. Denn feministische Stadtplanung bedeutet auch, die unsichtbare Arbeit – oft von Frauen* geleistet – sichtbar zu machen und räumlich zu unterstützen. Gleichzeitig fordern wir, dass öffentliche Räume nicht nur sicher, sondern auch einladend gestaltet werden, damit sie von allen genutzt werden können.
Eine gelungene Stadtplanung braucht folglich Politik und Gesellschaft, um viele Perspektiven aufzuzeigen, die dazu führen, dass Städte der Zukunft gerecht, lebenswert und menschennah sind. Feministische Stadtplanung hat die Vision, Städte zu erschaffen, in denen sich alle Menschen gleichermaßen zu Hause fühlen.
Zukunft gestalten: Feministische Stadtplanung als Standard
Wir sind überzeugt: Feministische Stadtplanung darf kein Nischenthema bleiben. Sie muss zum Standard werden, wenn wir Städte schaffen wollen, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass feministische Prinzipien in allen Planungsprozessen verankert werden – von der Verkehrswende bis zur Wohnraumpolitik. Denn eine Stadt, die für alle funktioniert, ist eine Stadt, die uns alle weiterbringt.
FINTA*: Bezeichnet Frauen, Inter-, Nicht-binäre, Trans- und Agender-Personen.
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