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08. März 2026

Feministischer März – Warum Gleichstellung mehr braucht als schöne Worte

Der 8. März ist Internationaler Frauentag – ein Tag des Erinnerns, des Feierns feministischer Errungenschaften und zugleich ein Tag der Bestandsaufnahme. Denn trotz vieler Fortschritte zeigt sich Jahr für Jahr: Von echter Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt. Was es braucht, sind keine symbolischen Gesten oder wohlklingenden Reden, sondern konsequente feministische Politik – an jedem einzelnen Tag des Jahres.

Zum feministischen Kampftag überschlagen sich politische Grußbotschaften regelmäßig mit Bekenntnissen zur Gleichstellung. Doch allzu häufig bleiben diese Worte folgenlos. Besonders konservative Parteien entdecken rund um den 8. März gerne ihre Unterstützung für FINTA*-Rechte – solange daraus keine verbindlichen politischen Konsequenzen entstehen.

Dabei machen gesellschaftliche Realitäten deutlich, dass Feminismus kein Randthema ist: ungleiche Bezahlung, geschlechtsspezifische Gewalt oder die geringe Präsenz von Frauen und marginalisierten Geschlechtern in Führungspositionen zeigen, dass strukturelle Ungleichheiten weiterhin bestehen.

Die Politik von Friedrich Merz und der CDU steht exemplarisch für ein Verständnis von Gleichberechtigung, das gesellschaftliche Ungleichheiten zur individuellen Verantwortung erklärt. In diesem Weltbild haben alle dieselben Chancen – wer scheitert, habe sich schlicht nicht genug angestrengt.

Doch diese Perspektive blendet strukturelle Benachteiligungen aus. Ob verbindliche Frauenquoten, gerechtere Verteilung von Care-Arbeit oder stärkere Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt: Statt politischer Eingriffe setzt die Union häufig auf Freiwilligkeit und Marktlogik.
Ein Blick auf den Gender Pay Gap verdeutlicht das Problem. Frauen* verdienen in Deutschland durchschnittlich weiterhin deutlich weniger als Männer. Selbst bereinigte Zahlen zeigen eine verbleibende Lohnlücke, die sich nicht allein durch individuelle Entscheidungen erklären lässt. Dennoch lehnt die CDU verbindliche Instrumente zur Lohngerechtigkeit weitgehend ab – obwohl freiwillige Maßnahmen bislang kaum Fortschritte gebracht haben.
Schlimmer sieht es beim Gender Gap aus. Im Arbeitsmarkt lag 2025 der Gender Gap unverändert bei 37 %.

Ähnliches gilt für Führungspositionen. Ohne gesetzliche Vorgaben bleiben Vorstandsetagen überwiegend männlich geprägt. Erfahrungen zeigen jedoch: Dort, wo Quoten eingeführt wurden, steigt der Anteil von Frauen* messbar an.
Auch familienpolitisch setzt die Union weiterhin auf Modelle wie das Ehegattensplitting, das traditionelle Rollenverteilungen begünstigt und wirtschaftliche Abhängigkeiten verstärken kann, statt gleichberechtigte Erwerbs- und Sorgearbeit zu fördern.

Echte Chancengleichheit entsteht jedoch nicht durch abstrakten Wettbewerb, sondern durch politische Rahmenbedingungen, die bestehende Ungleichheiten aktiv abbauen.

Besonders deutlich wird der politische Konflikt beim Thema körperliche Selbstbestimmung. Fragen rund um Schwangerschaftsabbrüche, sexuelle Selbstbestimmung oder Schutz vor Gewalt zeigen, wie stark feministische Rechte weiterhin politisch umstritten sind.

Friedrich Merz spricht sich gegen eine Abschaffung des §218 StGB aus und bezeichnet die bestehende Regelung als tragfähigen Kompromiss. Für viele Betroffene bedeutet diese Rechtslage jedoch weiterhin bürokratische Hürden, verpflichtende Beratungen und eine zunehmend schlechtere medizinische Versorgung.

In zahlreichen Regionen fehlen Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Einschüchterungen und gesellschaftlicher Druck verschärfen die Situation zusätzlich. Reformen, die den Zugang erleichtern und Selbstbestimmung stärken würden, stoßen dennoch auf Widerstand konservativer Politik.

Der 8. März darf deshalb nicht bei Symbolpolitik stehen bleiben. Gleichstellung entsteht nicht durch jährliche Grußworte, sondern durch nachhaltige politische Entscheidungen.

Ein feministischer Anspruch bedeutet konkret:

  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Transparente Gehaltsstrukturen und verbindliche Maßnahmen müssen die Lohnlücke endlich schließen.
  • Konsequenter Schutz vor Gewalt: Frauenhäuser und Beratungsstellen brauchen langfristige Finanzierung – Sicherheit darf keine Frage kommunaler Haushaltslagen sein.
  • Mehr Repräsentation: Paritätsgesetze und Quoten sind notwendige Instrumente gegen strukturellen Ausschluss in Politik und Wirtschaft.
  • Gerechte Verteilung von Care-Arbeit: Sorgearbeit muss gesellschaftlich anerkannt und durch bessere Infrastruktur, Reformen im Steuerrecht und die Aufwertung sozialer Berufe unterstützt werden.

Feminismus ist kein saisonales Thema und kein politisches Marketing rund um den 8. März. Er ist Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft.

Deshalb gilt: Feministischer März statt Merz – und feministische Politik weit über diesen einen Tag hinaus.


Autor: Lutz Katzmarski (Jusos Heiden) und Luisa Terörde (Jusos Bocholt/Rhede/Isselburg)
Originalfassung und Inspiration: Ann-Katrin Loer (Jusos Hamm). Dieser Text ist basierend auf einem Text von Ann-Katrin Loer, ursprünglich erschienen bei den Jusos Hamm.


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Autor*in
Lutz Katzmarski

Vorsitzender des Social-Media-Teams

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Luisa Terörde

Mitgliederbeauftragte & FLINTA*-Beauftragte

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