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Mobilität von morgen!

Mobilität ist mehr als nur die Frage, wie wir von einem Ort zum anderen kommen. Sie entscheidet darüber, wer am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, wer Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung hat und wer einfach selbstbestimmt leben darf. Doch während in Städten langsam ein Umdenken beginnt, wird der ländliche Raum oft vergessen. Dabei ist es gerade hier, wo Mobilität über Existenzfragen entscheidet: Wer kein Auto hat, ist auf dem Land schnell abgehängt. Busse fahren selten oder gar nicht, Bahnstrecken werden stillgelegt, und die nächsten Einkaufsmöglichkeiten oder Arztpraxen sind kilometerweit entfernt. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Politik, die den ländlichen Raum vernachlässigt und Mobilität vor allem als Aufgabe der Städte verstanden hat.

Seit jeher setzen wir uns als Jusos dafür ein, dass Mobilität kein Privileg, sondern ein Grundrecht ist – egal, ob in der Stadt oder auf dem Land. Doch während in urbanen Räumen langsam Alternativen zum Auto entstehen, bleibt der ländliche Raum oft zurück. Dabei braucht es gerade hier dringend neue Lösungen: einen öffentlichen Nahverkehr, der nicht nur stündlich, sondern im Halbstundentakt fährt; Buslinien, die auch abends und am Wochenende verkehren; und Bahnverbindungen, die nicht nur in die nächsten Großstädte, sondern auch zwischen kleineren Orten fahren. Denn wer auf dem Land lebt, darf nicht benachteiligt werden. Mobilität muss als Teil der Daseinsvorsorge verstanden werden – genau wie Wasser, Strom oder eine gute medizinische Versorgung.

In den letzten Jahren haben wir uns besonders dafür starkgemacht, dass der öffentliche Nahverkehr auf dem Land nicht weiter ausgedünnt, sondern gestärkt wird. Dazu gehört besonders die Erhaltung der Buslinien im Kreis Borken. Aktuell steht der X80, der Bocholt über Rhede und Gronau mit Bad Bentheim verbindet, unter dem Kürzungsbeschuss von CDU, FDP und UWG obwohl die Fahrgastzahlen im Jahr 2023 stark gestiegen sind. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass diese Angebote bezahlbar bleiben. Denn wer wenig Geld hat, darf nicht noch zusätzlich benachteiligt werden. Dazu hat die SPD-Fraktion im Kreistag den Antrag gestellt, dass die versuchten Kürzungen beim MobiTicket abgewendet werden. Hier mehr dazu lesen.

Die Klimakrise macht auch vor dem ländlichen Raum nicht halt. Im Gegenteil: Gerade hier sind die Menschen oft besonders stark von den Folgen betroffen sei es durch Hitze, Dürren oder Überschwemmungen. Gleichzeitig ist der Verkehr auf dem Land noch immer stark vom Auto geprägt. Das liegt nicht daran, dass die Menschen dort besonders klimaschädlich leben wollen, sondern daran, dass es oft schlicht keine Alternativen gibt. Wer zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt muss, ist auf das Auto angewiesen, weil Bus und Bahn nicht oder nur unzureichend fahren.

Doch das muss sich ändern. Wir brauchen eine Verkehrswende, die auch den ländlichen Raum im Blick hat. Das bedeutet: den Ausbau von Radwegen, die sicher und gut ausgebaut sind auch zwischen Dörfern; die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs, damit Busse und Bahnen klimaneutral fahren können, und die Förderung von Carsharing-Angeboten, die auch in kleineren Gemeinden funktionieren. Gleichzeitig müssen wir die Bahn wieder stärken – nicht nur die großen ICE-Strecken, sondern auch die Regionalbahnen, die den ländlichen Raum erschließen. Denn wer auf dem Land lebt, hat genauso ein Recht auf klimafreundliche Mobilität wie Menschen in der Stadt.

Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten, Mobilität auf dem Land neu zu denken. Intelligente Apps können Fahrten bündeln, Mitfahrgelegenheiten vermitteln oder Echtzeit-Informationen über Bus- und Bahnverbindungen liefern. Doch diese Chancen werden bisher viel zu wenig genutzt. Stattdessen wird der ländliche Raum oft als Rückständig dargestellt – dabei könnte er zum Vorreiter einer modernen, vernetzten Mobilität werden.

Wir setzen uns dafür ein, dass digitale Lösungen nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land eingesetzt werden. Das bedeutet: flächendeckendes Internet, damit alle Menschen Zugang zu Mobilitäts-Apps haben und die Schaffung von Plattformen, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander verknüpfen. Denn wer auf dem Land lebt, braucht keine halbgaren Lösungen, sondern echte Alternativen zum Auto.

Die Verkehrswende auf dem Land wird nur gelingen, wenn sie mit den Menschen vor Ort gestaltet wird. Das bedeutet: Bürger*innen müssen von Anfang an in die Planung einbezogen werden – sei es bei der Einführung neuer Buslinien, dem Bau von Radwegen oder der Ansiedlung von Carsharing-Stationen. Gleichzeitig braucht es mehr Mut von der Politik, alte Strukturen zu brechen und neue Wege zu gehen. Denn wer auf dem Land lebt, verdient genauso gute Mobilität wie Menschen in der Stadt.

Wir als Jusos stehen für eine Mobilität, die gerecht ist, weil sie alle mitnimmt – egal, ob in der Stadt oder auf dem Land; die gut ist, weil sie sicher, bezahlbar und zuverlässig ist; und die zukunftsfähig ist, weil sie das Klima schützt und die Lebensqualität in unseren Regionen erhöht. Denn Mobilität ist kein Stadtproblem, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Es geht darum, wie wir zusammenleben wollen und zwar überall.