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Vier Jahre Verantwortung in bewegten Zeiten – Nina Gaedike zieht Bilanz im Roten Quartier

Vier Jahre als Landesvorsitzende der NRW Jusos. Vier Jahre voller Wahlkämpfe, Landeskonferenzen, Demonstrationen, programmatischer Debatten und unzähliger Sitzungen. Vier Jahre, in denen sich politisch beinahe alles verändert hat – und in denen die NRW Jusos ihren eigenen Weg immer wieder neu finden mussten.
Für die neue Folge von unserem Podcast „Rotes Quartier“ durften wir deshalb jemanden begrüßen, die diese Zeit maßgeblich mitgeprägt hat: Nina Gaedike.
Gemeinsam haben wir auf ihre Amtszeit zurückgeblickt – auf politische Entscheidungen, auf Herausforderungen innerhalb des Verbandes und auf die Momente, die man von außen oft gar nicht mitbekommt. Herausgekommen ist kein klassisches Interview über Erfolge und Meilensteine, sondern ein ehrliches Gespräch darüber, was politische Verantwortung eigentlich bedeutet.
Verantwortung beginnt mit Haltung
Als Nina Gaedike 2022 zur Landesvorsitzenden gewählt wurde, begann eine Amtszeit, die von Beginn an von großen Herausforderungen geprägt war. Die NRW Jusos standen nach der verlorenen Landtagswahl vor der Frage, wie sie ihre Rolle innerhalb der SPD und in der politischen Landschaft Nordrhein-Westfalens neu definieren wollen. Im Gespräch erinnert sich Nina an den Moment ihrer Wahl zurück. Erst nach der Verkündung des Ergebnisses wurde ihr wirklich bewusst, welche Verantwortung nun vor ihr lag.
Ich bin direkt nach der Wahl erstmal auf Toilette gegangen, habe die Kabine hinter mir zugemacht und erstmal ein bisschen durchgeschnauft und war so: Ach du meine Güte, was passiert denn jetzt wohl?
Nina Gaedike im Bezug auf die ersten Momente ihrer Amtszeit.
Dieser persönliche Moment zeigt sehr deutlich: Hinter politischen Ämtern stehen keine abstrakten Funktionen, sondern Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich dieser Aufgabe zunächst einmal bewusst werden müssen.
Ein Jugendverband als Ort für Hoffnung und Veränderung
Ein zentraler Gedanke zieht sich durch das gesamte Gespräch: Die NRW Jusos sind für Nina nicht nur ein politischer Verband, sondern auch ein Ort, an dem junge Menschen zusammenkommen können. Ein „Hafen in einer Welt, die immer verrückter wird.“ Gerade angesichts von Krisen, Unsicherheiten und gesellschaftlichen Spannungen sei es wichtig, Räume zu schaffen, in denen junge Menschen nicht das Gefühl haben, mit ihren Sorgen alleine zu sein. Dabei geht es nicht nur darum, politische Antworten zu formulieren. Es geht auch darum, Gemeinschaft zu schaffen und gemeinsam den Anspruch zu entwickeln, Gesellschaft verändern zu können. Für Nina bedeutet politische Jugendarbeit deshalb immer beides: konkrete politische Arbeit und ein Ort, an dem Menschen gemeinsam wachsen können.
Von Arbeit bis Bildung: Der Versuch, politische Debatten neu zu setzen
Ein großer Schwerpunkt der vergangenen Jahre war die programmatische Weiterentwicklung der NRW Jusos.
Nach der Landtagswahl 2022 entschied sich der Verband bewusst dafür, wieder stärker grundsätzliche politische Fragen in den Mittelpunkt zu stellen. Besonders das Thema Arbeit wurde dabei zu einem zentralen Schwerpunkt.
Dabei ging es nicht nur um klassische Arbeitsmarktpolitik, sondern um die Frage, wofür soziale Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert eigentlich stehen muss. Auch die Bildungspolitik spielte eine wichtige Rolle. Mit dem Konzept „Schule für alle“ beschäftigten sich die NRW Jusos intensiv mit der Frage, wie ein Bildungssystem aussehen muss, das soziale Herkunft nicht über Zukunftschancen entscheiden lässt. Nina macht deutlich, dass Bildung für sie eine der zentralen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit ist. Besonders kritisch sieht sie dabei das bestehende mehrgliedrige Schulsystem, weil Bildungswege in Deutschland noch immer stark von der Herkunft abhängig seien.
Feminismus, Solidarität und die Frage nach einer gerechteren Gesellschaft
Neben organisatorischen und programmatischen Fragen sprechen wir auch über Themen, die Nina besonders geprägt haben – allen voran Feminismus. Dabei geht es um ein intersektionales Verständnis von Politik: Also darum, verschiedene Formen von Diskriminierung zusammenzudenken und unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen.
Für die NRW Jusos bedeutet das, soziale Gerechtigkeit nicht isoliert zu betrachten, sondern Fragen von Geschlecht, Herkunft, sozialer Lage und gesellschaftlicher Teilhabe gemeinsam zu denken.
Was bleibt nach neun Jahren Jusos?
Zum Ende des Gesprächs wird es noch einmal persönlich. Nach neun Jahren bei den Jusos und vier Jahren als Landesvorsitzende beginnt für Nina ein neuer Abschnitt. Auf die Frage, was von dieser Zeit bleibt, nennt sie nicht zuerst politische Beschlüsse oder Kampagnen.
Ganz viele Freundschaften und die Gewissheit, dass man in dieser schlimmen Welt nicht alleine ist. Ich bin Jungsozialistin mit Haut und Haaren. Und das werde ich auch immer bleiben.
Was Nina nach neun Jahren Jusos noch bleibt.
Dieser Satz beschreibt vielleicht am besten, was politische Jugendarbeit ausmacht: Nicht nur gemeinsame Forderungen und Debatten, sondern auch Menschen, mit denen man gemeinsam für Veränderung kämpft.
Auch wenn Nina die Rolle als Landesvorsitzende abgibt, bleibt ihre politische Überzeugung bestehen.
Jetzt die neue Folge von Rotes Quartier hören!
Wir bedanken uns herzlich bei Nina Gaedike für das offene Gespräch und die vielen persönlichen Einblicke!
Die neue Folge von Rotes Quartier ist ab sofort verfügbar. Hört rein, wenn ihr erfahren möchtet, was hinter vier Jahren Landesvorsitz steckt, welche Debatten die NRW Jusos geprägt haben und welche Gedanken Nina zum Abschluss ihrer Amtszeit mit auf den Weg gibt. Die neuste Folge findet ihr dort, wo es Podcasts gibt (Apple Podcasts, Amazon Music und Spotify)
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